Es tut sich was im Bahnhofsviertel – Ein Ausblick in die Zukunft

Unser letzter Post liegt schon eine Weile zurück und in der Zwischenzeit ist einiges passiert. In vielen Gesprächsrunden mit der Stadt und der Drogenhilfe haben wir Hinweise und Vorschläge zu einer Verbesserung der Situation hier im Viertel eingebracht.

Dabei hat sich im Laufe der Zeit die Gesprächsgrundlage weiterentwickelt: ging es zu Beginn vor allem um die schnelle Änderung der eskalierten Situation hier im Viertel (siehe „Offener Brief“), so laufen unsere aktuellen Gespräche in Richtung Zukunftsgestaltung, um eine gute Perspektive für alle Menschen im Viertel zu schaffen. Dabei haben wir die Möglichkeit, Ideen und Vorschläge einzubringen.

GROSSES TREFFEN IM WORLD-CAFE
Das letzte Treffen war Ende Juni und die Drogenhilfe hatte es geschafft, Vertreter aller möglichen Institutionen, Organisationen, Stellen und Beteiligte aus dem Viertel einzuladen, um gemeinsam Ideen zu sammeln.

Dezernat X (Dezernat Umwelt und Gesundheit)
Jugend‐ und Sozialamt
Jobcenter
Ordnungsamt
Stadtplanungsamt
Polizei
AHF (AIDS-Hilfe Frankfurt)
Idh e.V. (Integrative Drogenhilfe e.V.)
JJ e.V. (Drogenberatung e.V. Ffm)
vae e.V (Verein Arbeits- und Erziehungshilfe e.V.)
Malteser
Bürgerhospital Frankfurt e.V.
Basis e.V.
Presse‐ und Informationsamt
Evangelische Kirche
Weißfrauen Diakoniekirche
Stabstelle Sauberes Frankfurt
bb 22 (Interdisziplinäre Bürogemeinschaft Architektur, Design, Film, Ökonomie, Stadtplanung)

Es war ein Tag mit vielen neuen Ansätzen, Einblicken und Problemdarstellungen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Das ganze Treffen lief unter dem Motto der Brainstorming-Technik „World Café“.

Das Ziel:
Wie kann die Situation hier noch weiter verbessert werden und ein gemeinsames Zusammenleben klappen?

Grundtenor:
Das Viertel gehört allen, aber alle müssen sich hier auch wohlfühlen können.

Es sind tolle Ideen dabei rausgekommen und wir haben das Gefühl, alle an einem Strang gezogen zu haben. Hier wird es kurz-, mittel- und langfristig Umsetzungen geben, über die wir berichten werden, sobald dieses Treffen vollständig ausgearbeitet ist. Wir freuen uns sehr darauf, da auch in Zukunft im engen Kontakt mit der Drogenhilfe zu bleiben und weiterhin gemeinsam etwas zu bewegen.

AKTUELLE SITUATION
In Bezug auf die aktuellen Umstände konnten wir der Stadt ja zuvor schon einige wichtige Punkte nennen, an denen gearbeitet wurde und bei denen auch eine Veränderung spürbar ist. Anderes wiederum hat nicht so toll funktioniert.

Nachfolgend einige Beispiele, wie sie konkret umgesetzt wurden, gefolgt von einer ganz und gar subjektiven Einschätzung der Maßnahmen.

DIE FEGERFLOTTE
Die Fegerflotte ist eine kleine, mobile Einheit, die mit Müllsack und langer Stab-Pinzette ausgerüstet durch das Viertel streift, um Spritzenmüll und ähnliche Überbleibsel der Drogenkonsumenten einzusammeln. Der Fegerflotte gehören mehrere Personen an, die die bekannten und versteckten Ecken und Nischen der Szene bestens kennen. Dieser Einsatz bei Wind und Wetter (!) trägt besonders effektiv und spürbar zu einem besseren Erscheinungsbild der Strasse bei. Das Einsatzgebiet ist das ganze Bahnhofsviertel, inklusive der Taunusanlage. Die Fegerflotte ist gut an Ihren neuen coolen T-Shirts oder Windjacken zu erkennen. Das Team wurde jetzt aufgestockt und startet nun schon ab 10:00 Uhr morgens. Über einen kleinen Plausch oder nettes Wort freuen sie sich immer. Vielleicht kennt Ihr auch jemanden von ihnen? Weitere Infos über die Fegerflotte findet ihr hier.

POLZEI
Auch die Polizei hat z.B ihre Aktivitäten im Viertel nachjustiert. Ein besonders wichtiger Aspekt dabei war die von Euch eingebrachte Sorge einer übertriebenen „Law & Order“-Situation. Die besondere Schwierigkeit für die Polizei hier im Viertel ist, zum einen eine erhöhte, spürbare Sicherheit für uns alle zu gewährleisten, auf der anderen Seite aber nicht zu stark aufzufallen, bzw. nur dort wo es nötig ist. In den vergangenen Monaten habt Ihr bestimmt auch gemerkt, daß einige einschlägig bekannte Ladengeschäfte und Grüppchen eines bestimmten Personenkreises besonders unter die Lupe genommen wurden. Hier kam es zu einer deutlichen Entspannung der Situation vor den Geschäften auf der Straße und Umgebung.

STRASSENBELEUCHTUNG
Bei den Rundgängen mit der Stadt wurden defekte Strassenlaternen an verschiedenen Stellen moniert. Auch die Beleuchtungsstärke wurde an einigen Stellen als zu dunkel kritisiert. Daraufhin wurden an den betroffenen Stellen Messungen durchgeführt, um die Beleuchtungsstärke genau zu überprüfen. Die Reperatur defekter Strassenlaternen wurde durchgeführt. Defekte Laternen könnt Ihr hier melden. Ein Technikteam rückt dann an und repariert sie.

STRASSENREINIGUNG
Die FES hat eine Zusatzschicht um 6:00 Uhr morgens eingerichtet.

BAUZAUNREGELUNG
Die örtliche Überprüfung der Bauzaunregelung ist wieder in den Fokus gerückt, um nach Möglichkeit dunkle Ecken und tote Winkel bei all den Baustellen zu vermeiden. Damit wurden einige öffentliche Urinale beseitigt. Teilweise haben sich die Probleme aber auch zwischenzeitlich selbst erledigt, da es die betroffen Zäune nicht mehr gibt. Aber angesichts all der neuen Baustellen hier im Viertel bleibt gerade auch dieses Thema immer aktuell.

SUBJEKTIVE EINSCHÄTZUNG
Hier jetzt einige ganz subjektive, auch widersprüchliche Einschätzungen der Maßnahmen von einigen im Viertel:

positiv
– sehr viel weniger Spritzenbesteck oder Nadeln auf der Strasse
– Polizeipräsenz scheint ausgewogen und effektiv
– Aufwertung der Taunusanlage durch Pflanzung neuer Bäume und Aufstellen einer Skulptur. Der Rasen wurde stellenweise neu aufgezogen.

negativ
– aggressiverer Straßenstrich auf der Elbestrasse.
– Taunusanlage und Mainufer (nähe Nizza) teilweise extrem dreckig, da dort Menschen zu „wohnen“ scheinen.
– Unmengen an Glasscherben auf den Strassen.
– jahreszeitbedingt laute Musik durch ständig offene Türen der Gastro-Betriebe in der Taunusstrasse.
– nach wie vor Beschädigungen von Autos (Scheibenwischer, geknickte Aussenspiegel, Kratzer im Lack, Beulen, etc.)

Gefolgt von ein paar Kommentaren von einigen im O-Ton:

Guter Kontakt zu den „Residents“ auf den Strassen:
„Ich habe das Gefühl, die altbekannten Leute wie *Abcde, *Defgh und so haben wieder einen festen Platz an der Taunus./Ecke Elbe. Finde ich eigentlich ganz angenehm, da die nie aggressiv sind. Das beruhigt die Ecke auch immer etwas.“ (*Namen sind geändert)

Die Fegerflotte kommt gut an:
„Ich find´s super, daß die hier durch die Strassen ziehen und dabei helfen, es für uns alle schöner zu machen. Ich kann mir gut vorstellen, daß sie auch einen positiven Einfluß auf das Verhalten der Szene haben – so als Vorbild. Habe sie schon oft gesehen.“

Die Strassenreinigung ist immer wieder Thema:
„Die Menge an zerbrochenen Bierflaschen auf der Strasse ist unfassbar. Glasscherben wohin man schaut. Da stehen die neben dem Mülleimer und werfen die Flasche trotzdem auf die Gasse.“

Soweit unsere Infos.
Wir sehen uns dann heute Abend auf der Bahnhofsviertelnacht.

Anwohner äußern Ängste vor kopfloser Sicherheitspolitik im Bahnhofsviertel

Vor ein paar Tagen erreichte uns eine Mail der Werkstatt Bahnhofsviertel, die uns über eine neue Initiative von Bewohnern des Bahnhofsviertels informierte. Ein Zusammenschluss von Anwohnern aus dem Viertel, der sich Mittwochsgruppe nennt, hat eine Petition mit dem Titel verfasst: „Nicht in unserem Namen“.

Darin beziehen die Unterzeichner Stellung zu einem sehr breit gefächerten Spektrum vieler unterschiedlicher Themen: Globale Themen wie z. B. Occupy/Finanzkrise, Law-And-Order Politik, Rechtsstaatlichkeit, freie Meinungsäußerung einerseits, aber auch gänzlich lokale Themen wie z. B. Immobilienmarkt in Frankfurt, Quadratmeterpreise neu sanierter Altbauten im Bahnhofsviertel, Gentrifizierung von Stadtteilen etc. andererseits.

Angesichts des breiten Themenspektrums der Petition erscheint es uns schwierig, sich mangels Expertise ob dieser Themenvielfalt zielführend einzubringen. Dennoch möchten wir uns zu der kleinen Themenschnittmenge Drogenproblematik im Bahnhofsviertel abschließend äußern.

Innerhalb des Themenkonglomerates nehmen die Verfasser unter anderem Bezug auf den Offenen Brief und äußern uns und der Stadt Frankfurt gegenüber sehr deutlich ihre Absage an und Befürchtung über eine mögliche „kopflose Law-And-Order Politik“. Als Beispiel wird die massive Abriegelung des ganzen Viertels durch die Polizei während der Blockupy-Demonstrationen im Mai bezüglich der globalen Finanzkrise genannt.

Wir nehmen diese Ängste ernst: die in der Petition dargelegte Sichtweise gegenüber einer „kopflosen Law-And-Order Politik“ deckt sich mit unserer Haltung und ist schon immer ein Eckpfeiler all unserer Gesprächsrunden – übrigens auch seitens der Stadt Frankfurt.

Wir stehen für einen inhaltlich fundierten Umgang mit der Drogenproblematik im Bahnhofsviertel – konstruktiv und informiert. In den Gesprächsrunden mit den zuständigen Dezernenten, der Drogennothilfe, dem Ossip-Team, dem Ordnungsamt, dem Straßenbauamt und der Stadtreinigung, bis hin zu den Vertretern der Stadt- und Landespolizei erleben wir bisher eine sachlich fokussierte Arbeitsatmosphäre, die jedem Treffen nachhallt.

Das Einbringen unterschiedlicher Ansichten zum Thema war und ist von uns jederzeit erwünscht und fand in der interessanten und gut recherchierten Artikelreihe der Frankfurter Neuen Presse schon im Frühjahr ein großes öffentliches Echo. Möglicherweise hätten die Informationen hier im Blog oder ein Gespräch mit uns schon im Vorfeld einige in der Petition geäußerte Sorgen und Ängste bezüglich einer unkontrollierten Sicherheitspolitik ausgeräumt. Eine Kontaktaufnahme zu uns seitens der Mittwochsgruppe fand bedauerlicherweise sowohl vor als auch nach Veröffentlichung der Petition nie statt.

Eine klare Absage erteilen wir der Petition deutlich in ihrer Haltung, harte Drogenkriminalität mit dem Hinweis auf „die bierselige Stimmung des ein oder anderen Junggesellenabschieds“ zu bagatellisieren: kriminelle Drogenmafia, Dealerei, Drogensucht, Beschaffungskriminalität, Hauseinbrüche, Prostitution, Obdachlosigkeit, und die Gefahr von übertragbaren Krankheiten für die Betroffenen in der Szene sind kein Junggesellenabschied.

Wir haben den Eindruck, die Drogenproblematik des Bahnhofsviertels wird hier möglicherweise nur als wohlig schauriges Lokalkolorit des Viertels verstanden. Eine deratige Romantisierung der Probleme sehen wir hier kritisch. Besonders gegenüber den Betroffenen, als auch denen, die sich beruflich mit viel Engagement Tag für Tag innerhalb des Themas einbringen. Einen solchen Umgang mit einem so vielschichtigen, diffizilen Thema wie der Drogenproblematik im Bahnhofsviertel halten wir für wenig ergebnisorientiert.

Unser Interesse ist es, weiterhin im Dialog mit den Verantwortlichen den Frankfurter Weg voranzubringen, um eine gemeinsame Perspektive für eine „Nachbarschaft, die viele unterschiedliche Lebensstile beherbergt“, zu finden.

Das Bahnhofsviertel ist kein Nordend

Unser Posting vor 3 Tagen gibt ja unter anderem auch einen kurzen Zwischenbericht zur Lage im Viertel: Nach wie vor unverändert! An dieser Stelle nun nochmals ein kurzer Zwischenbericht, aber eher genereller Art.

Seit wir nach dem Offenen Brief in Kontakt mit der Stadt sind, gab es jede Menge Berichterstattung übers Viertel. Und: Wir mussten auch Kritik einstecken. Einige meinten, wir würden aus dem Bahnhofsviertel gerne ein zweites Nordend machen. Andere waren sich sicher, dass wir am liebsten alle Drogenabhängigen in einen Bus mit unbekanntem Ziel setzen und möglichst weit weg schaffen wollten. Und wieder andere glaubten, wir seien die Gentrifizierung in Persona und hätten die unsäglichen 5000Euro qm Preise für die schicken Loftwohnungen hier im Viertel höchstpersönlich festgesetzt.

All das trifft nicht zu. Das haben wir in vielen, sehr interessanten Gesprächen klar gemacht, und das soll hier einfach noch mal gesagt sein. Aber wir sind froh über jede Art von Feedback. Kritik gehört ja dazu und ist wichtig, um ein Thema voran zu bringen.

Und eins ist doch mal sicher: Allein die vielen Diskussionen, Meinungen, Ideen, Standpunkte und Kommentare zum Offenen Brief zeigen, dass sich der Brief schon gelohnt hat. Denn ein Bewusstsein um dieses Viertel ist die Grundlage, um es nachhaltig zu einem für die Anwohner lebenswerten Viertel zu machen – und das ist alles, was wir wollen. Es sind immer mehr Anwohner, die Lust und Energie haben, sich fürs Bahnhofsviertel einzusetzen und die Entwicklung zu beobachten, das finden wir toll.

Viele von uns haben in den letzten Wochen auch einiges dazu gelernt. Bei einem Rundgang durch die Drogenhilfe-Einrichtungen haben wir zum Beispiel gesehen, was die Drogenhilfe in Frankfurt alles macht und was sich hinter den Türen der „Drückerstuben“ abspielt. Interessant und beeindruckend! Übrigens: Die Drogenhilfeeinrichtungen freuen sich immer über Anmeldungen von Interessierten, die mal hinter die Kulissen schauen wollen. Sehr empfehlenswert!

Ortsbegehung Bahnhofsviertel mit Politikern – Interesse, Verständnis, keine Lösungen

(ausführlicher Bericht zur Ortsbegehung am 04.06.2012)

Die Stadt hat Wort gehalten – zumindest schon mal in einem Punkt: Bei unserem Treffen vor knapp drei Monaten haben Sie uns versprochen, eine gemeinsame Ortsbegehung mit uns zu machen, bei der wir problematische Stellen hier im Viertel zusammen anschauen. Dabei galt es erstmal zu klären: Was ist im Bahnhofsviertel problematisch? Wo genau? Was könnte man dagegen tun?

Denn an den Problemen hat sich ja nach wie vor nichts geändert: Dealerei und die Aggressions- und Gewaltbereitschaft der Menschen und Gruppen, die den Drogenhandel dominieren & kontrollieren. Offener Konsum und herumliegende Spritzen. Unzählige Casinos, die als Brutstätten und unkontrollierbare Rückzugsmöglichkeiten der Szene fungieren. Stadtplanerische Defizite wie unausgeleuchtete Bereiche oder durch Bauzäune geschaffene „Schmuddelecken“.

Mag unser Brief auch eine lebhafte Diskussion angezettelt haben: Geändert hat sich an dem Beschriebenen seither nichts. Nun wissen auch wir, dass so was nicht von heute auf morgen geht. Aber es stellt sich jetzt die Frage, auf die es ja eigentlich die ganze Zeit hinausläuft: Was wird denn nun passieren, um die Probleme zu ändern? Eine Ortsbegehung mit der Stadt sollte jetzt ein erster Schritt sein, diese Frage zu beantworten.

Mit dabei beim Rundgang: Gesundheitsdezernentin Dr. Manuela Rottmann und Ordnungsdezernent Markus Frank, Vertreter von Polizei, Stadtreinigung, Ortsbeirat, Ordnungsamt, Drogenhilfe und Werkstatt Bahnhofsviertel. Da die Anzahl der Anwohner-Teilnehmer auf 4 begrenzt war, haben wir vorher fleißig im ganzen Viertel rumgefragt, was die problematischsten Stellen sind und wo etwas geändert werden sollte. Da ist einiges zusammengekommen. Alle diese Infos hatten wir in einer google-maps Karte gesammelt und sind diese Punkte mit allen Teilnehmern abgelaufen.

Route: Durch die Moselstraße, dann die Niddastraße runter bis zur Taunusanlage, dann die Taunusstraße hoch. Dabei in die Weser- und die Elbestraße rein (Kaiser- und Münchenerstr. haben wir zeitlich leider nicht mehr geschafft).

Wir haben unter anderem Drücker-Hotspots gesichtet, unbeleuchtete Straßenabschnitte und problematische Bauzaun-Gebilde. Dann haben wir die unzähligen Casinos passiert (alleine 8 in der Taunusstraße !) und am Brennpunkt Taunus- Ecke Elbestraße über die Gründe für die schwierige Situation dort gesprochen: Die Kombination aus Casino, verlassenen Gewerberäumen, Baustelle, Drückerstube und Straßenstrich ist hier besonders problematisch.

Danach haben wir uns mit den Vertretern der Stadt in den Räumen von OSSIPP in der Kaiserpassage zusammengesetzt. Zunächst haben sich alle Beteiligten für die Führung bedankt, und dann angefangen zu erklären: Warum die Dinge so sind, wie sie sind und warum es schwierig sei, einige Dinge zu ändern.

So hörten wir unter anderem:
– Es wurde schon versucht, etwas gegen die Casinos zu tun. Über eine Beschneidung der Öffnungszeiten. Leider erfolglos, ein Gericht kippte dieses Vorhaben.

– Selbst gegen stadtbekannte Dealer sei schwer vorzugehen. Es könnten zwar Platzverweise ausgesprochen werden und am Ende stünde sogar ein Arrest, das würde das Problem allerdings nicht lösen.

– Es gäbe eine Verordnung, die regelt, wie Bauzäune im Bahnhofsviertel aufgestellt sein müssen. Allerdings werde sie nicht mehr umgesetzt.

– Der Einfluss, welche Gewerbe in die Gewerberäume einziehen, sei von Politikseite aus sehr gering.

– Das Auflösen von „Drogenansammlungen“ sei meist nicht zweckmäßig, da es lediglich eine Verteilung nach sich ziehe.

– Der Polizei fehle teilweise die Handhabe, gegen das von uns Angesprochene vorzugehen

Diese Erläuterungen sind zwar teilweise nachvollziehbar und interessant, allerdings nicht wirklich zielführend: Denn die Probleme für uns bleiben. Es muss also nach Lösungen gesucht werden, und die fehlen bisher!

Und vor allem die Frage, warum es kein Konzept gibt, bekannte Dealer und kriminelle Gruppierungen langfristig in die Schranken zu weisen, blieb unbeantwortet.

Daher haben wir klar gemacht, dass wir eine Perspektive für mögliche Lösungen brauchen. Frau Rottmann und Herr Frank haben uns zugesichert, an einer solchen Perspektive zu arbeiten. Herr Frank hat daher angeboten, in etwa 6 Wochen zu einem erneuten Treffen in kleinerer Runde zusammenzukommen. Dann will er erste Pläne und Ideen erläutern, welche Maßnahmen langfristig ergriffen werden sollen. Er prophezeite allerdings, das Ganze werde „kein Sprint“ sondern eher „ein Marathon“.

Wir fanden das Treffen gut. Wir hatten das Gefühl, es bestand ein echtes Interesse an unserem Viertel und den Problemen, die es hier gibt. Der Rundgang und die Diskussion danach haben gezeigt, dass wir ernst genommen werden und dass wir zusammen mit den Stadtvertretern das selbe Ziel haben: Die Lebensqualität für die Anwohner im Bahnhofsviertel zu verbessern.

Ob es sich dabei lediglich um ein Lippenbekenntnis der Stadt-Vertreter handelt, oder ob ein echter Wille zu spürbaren Veränderungen da ist, wird sich zeigen. Wir bleiben dran und werden die Politiker an ihren Aussagen und Versprechen messen. Jetzt warten wir erstmal gespannt darauf, welche Pläne die Stadt langfristig durchsetzen möchte.

Aktuelle Situation im Bahnhofsviertel -unverändert schlecht

Die Temperaturen steigen und die Anzahl der herumliegenden Spritzen, Drogenkonsumenten und des Handels auch. Nachdem wir kurz nach unserem offenen Brief das subjektive Gefühl hatten, dass sich der Zustand etwas verbessert hat, sind wir wieder beim Status Quo angelangt.

In den frühen Morgenstunden ist die Taunusanlage voll mit offenen Spritzen, es wird an den bekannten Strassenecken weiterhin gedealt. Um 11 Uhr vormittags sind bis zu 25 Personen vor der Drückerstube und es besteht hier weiterhin dringend Handlungsbedarf.

An dieser Stelle die Bitte an Euch, uns Eure Eindrücke zu senden.

Anwohner führen Stadt Frankfurt bei gemeinsamen Rundgang durch das Bahnhofsviertel.

In einem gemeinsamen Rundgang am 4.06.2012 haben wir die Stadt Frankfurt durch die Brennpunkte des Bahnhofsviertels geführt. Unsere Tour führte uns von der Taunusstrasse (Kaiserpassage) zur Moselstrasse (Konsumraum). Von dort zur Niddastrasse (Konsumraum + Platz a. d. Karlstrasse) bis hinein in die Taunusanlage (Sitzecken, Gebüsche). Über das Taunustor ging es zum Jürgen-Pontoplatz (Baustellenzaun). Über die Weserstrasse (Hauseingang/Einfahrt Weserstr. 31) zurück über die Taunusstrasse bis in die Elbestrasse (Konsumraum + Baustelle). Von dort in den unteren Teil der Taunusstrasse vor dem Hauptbahnhof (Strassenbeleuchtung).

Aus zeitlichen Gründen haben wir gemeinsam die Tour hier beendet, um Zeit für ein Debriefing und Erörterung des Gesehenen zu haben. Dazu kehrten wir alle wieder in die Räumlichkeiten von OSSIP in der Kaiserpassage zurück.

Auf der Liste des Rundgangs wären nachfolgend zu sehen gewesen:

B-Ebene des Hauptbahnhofes (Treppenzugänge zum Drogenkonsum), Wettbüro in der Münchener Strasse, Elbestrasse/Ecke Gutleutstrasse (Crackverkauf), Gutleut/Ecke Mainluststrasse (Gebüsch zum Konsum), Nizza am Mainufer (ehemaliges Toilettenhäuschen), Untermainanlage am Schauspielhaus (Treppe zum Parkhaus).

Nach dem anschliessenden Gespräch boten die Dezernenten an, sich einiger Probleme schnell und unkomliziert anzunehmen. Es gäbe allerdings auch Probleme die nicht kurzfristig zu lösen sind. Wir vereinbarten ein Treffen in 6 Wochen, um die Liste erneut durchzugehen und festzustellen, was geändert wurde.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal für Eure zahlreichen Hinweise der problematischen Ecken bedanken.

 

NETTO-Filiale in der Taunusstraße bleibt – angeblich

Morgen Leute,

mal was ganz Anderes: Seit längerem geistert hier in der Nachbarschaft ja das Gerücht, die NETTO-Filiale in der Taunusstr. würde demnächst schließen. Auch, wenn es immer ein Abenteuer ist, dort einzukaufen, wäre das ja für uns alle ziemlich blöd, da außer dem überteuerten REWE nix mehr wäre.

Ich habe bei NETTO angefragt, was da geplant ist.

ZITAT:
„…vielen Dank für Ihre Email.
Wir können Ihnen mitteilen, dass es nicht geplant ist diese Filiale zu schließen. Hierbei handelt es sich um eine Gerücht an dem nichts dran ist.

Wir hoffen wir konnten Ihnen weiterhelfen und freuen uns Sie weiterhin als Kunden begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen
Netto Marken-Discount AG & Co. KG
…“

Na, das klingt doch gut. Frohes shoppen…:)

Übrigens: Einige Anwohner hatten diese Woche eine Ortsbegehung hier im Bahnhofsviertel mit Vertretern der Stadt, um sich ein Bild der aktuellen Drogen- & Dealerproblematik zu machen. Dazu hier in Kürze mehr…