Es tut sich was im Bahnhofsviertel – Ein Ausblick in die Zukunft

Unser letzter Post liegt schon eine Weile zurück und in der Zwischenzeit ist einiges passiert. In vielen Gesprächsrunden mit der Stadt und der Drogenhilfe haben wir Hinweise und Vorschläge zu einer Verbesserung der Situation hier im Viertel eingebracht.

Dabei hat sich im Laufe der Zeit die Gesprächsgrundlage weiterentwickelt: ging es zu Beginn vor allem um die schnelle Änderung der eskalierten Situation hier im Viertel (siehe „Offener Brief“), so laufen unsere aktuellen Gespräche in Richtung Zukunftsgestaltung, um eine gute Perspektive für alle Menschen im Viertel zu schaffen. Dabei haben wir die Möglichkeit, Ideen und Vorschläge einzubringen.

GROSSES TREFFEN IM WORLD-CAFE
Das letzte Treffen war Ende Juni und die Drogenhilfe hatte es geschafft, Vertreter aller möglichen Institutionen, Organisationen, Stellen und Beteiligte aus dem Viertel einzuladen, um gemeinsam Ideen zu sammeln.

Dezernat X (Dezernat Umwelt und Gesundheit)
Jugend‐ und Sozialamt
Jobcenter
Ordnungsamt
Stadtplanungsamt
Polizei
AHF (AIDS-Hilfe Frankfurt)
Idh e.V. (Integrative Drogenhilfe e.V.)
JJ e.V. (Drogenberatung e.V. Ffm)
vae e.V (Verein Arbeits- und Erziehungshilfe e.V.)
Malteser
Bürgerhospital Frankfurt e.V.
Basis e.V.
Presse‐ und Informationsamt
Evangelische Kirche
Weißfrauen Diakoniekirche
Stabstelle Sauberes Frankfurt
bb 22 (Interdisziplinäre Bürogemeinschaft Architektur, Design, Film, Ökonomie, Stadtplanung)

Es war ein Tag mit vielen neuen Ansätzen, Einblicken und Problemdarstellungen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Das ganze Treffen lief unter dem Motto der Brainstorming-Technik „World Café“.

Das Ziel:
Wie kann die Situation hier noch weiter verbessert werden und ein gemeinsames Zusammenleben klappen?

Grundtenor:
Das Viertel gehört allen, aber alle müssen sich hier auch wohlfühlen können.

Es sind tolle Ideen dabei rausgekommen und wir haben das Gefühl, alle an einem Strang gezogen zu haben. Hier wird es kurz-, mittel- und langfristig Umsetzungen geben, über die wir berichten werden, sobald dieses Treffen vollständig ausgearbeitet ist. Wir freuen uns sehr darauf, da auch in Zukunft im engen Kontakt mit der Drogenhilfe zu bleiben und weiterhin gemeinsam etwas zu bewegen.

AKTUELLE SITUATION
In Bezug auf die aktuellen Umstände konnten wir der Stadt ja zuvor schon einige wichtige Punkte nennen, an denen gearbeitet wurde und bei denen auch eine Veränderung spürbar ist. Anderes wiederum hat nicht so toll funktioniert.

Nachfolgend einige Beispiele, wie sie konkret umgesetzt wurden, gefolgt von einer ganz und gar subjektiven Einschätzung der Maßnahmen.

DIE FEGERFLOTTE
Die Fegerflotte ist eine kleine, mobile Einheit, die mit Müllsack und langer Stab-Pinzette ausgerüstet durch das Viertel streift, um Spritzenmüll und ähnliche Überbleibsel der Drogenkonsumenten einzusammeln. Der Fegerflotte gehören mehrere Personen an, die die bekannten und versteckten Ecken und Nischen der Szene bestens kennen. Dieser Einsatz bei Wind und Wetter (!) trägt besonders effektiv und spürbar zu einem besseren Erscheinungsbild der Strasse bei. Das Einsatzgebiet ist das ganze Bahnhofsviertel, inklusive der Taunusanlage. Die Fegerflotte ist gut an Ihren neuen coolen T-Shirts oder Windjacken zu erkennen. Das Team wurde jetzt aufgestockt und startet nun schon ab 10:00 Uhr morgens. Über einen kleinen Plausch oder nettes Wort freuen sie sich immer. Vielleicht kennt Ihr auch jemanden von ihnen? Weitere Infos über die Fegerflotte findet ihr hier.

POLZEI
Auch die Polizei hat z.B ihre Aktivitäten im Viertel nachjustiert. Ein besonders wichtiger Aspekt dabei war die von Euch eingebrachte Sorge einer übertriebenen „Law & Order“-Situation. Die besondere Schwierigkeit für die Polizei hier im Viertel ist, zum einen eine erhöhte, spürbare Sicherheit für uns alle zu gewährleisten, auf der anderen Seite aber nicht zu stark aufzufallen, bzw. nur dort wo es nötig ist. In den vergangenen Monaten habt Ihr bestimmt auch gemerkt, daß einige einschlägig bekannte Ladengeschäfte und Grüppchen eines bestimmten Personenkreises besonders unter die Lupe genommen wurden. Hier kam es zu einer deutlichen Entspannung der Situation vor den Geschäften auf der Straße und Umgebung.

STRASSENBELEUCHTUNG
Bei den Rundgängen mit der Stadt wurden defekte Strassenlaternen an verschiedenen Stellen moniert. Auch die Beleuchtungsstärke wurde an einigen Stellen als zu dunkel kritisiert. Daraufhin wurden an den betroffenen Stellen Messungen durchgeführt, um die Beleuchtungsstärke genau zu überprüfen. Die Reperatur defekter Strassenlaternen wurde durchgeführt. Defekte Laternen könnt Ihr hier melden. Ein Technikteam rückt dann an und repariert sie.

STRASSENREINIGUNG
Die FES hat eine Zusatzschicht um 6:00 Uhr morgens eingerichtet.

BAUZAUNREGELUNG
Die örtliche Überprüfung der Bauzaunregelung ist wieder in den Fokus gerückt, um nach Möglichkeit dunkle Ecken und tote Winkel bei all den Baustellen zu vermeiden. Damit wurden einige öffentliche Urinale beseitigt. Teilweise haben sich die Probleme aber auch zwischenzeitlich selbst erledigt, da es die betroffen Zäune nicht mehr gibt. Aber angesichts all der neuen Baustellen hier im Viertel bleibt gerade auch dieses Thema immer aktuell.

SUBJEKTIVE EINSCHÄTZUNG
Hier jetzt einige ganz subjektive, auch widersprüchliche Einschätzungen der Maßnahmen von einigen im Viertel:

positiv
– sehr viel weniger Spritzenbesteck oder Nadeln auf der Strasse
– Polizeipräsenz scheint ausgewogen und effektiv
– Aufwertung der Taunusanlage durch Pflanzung neuer Bäume und Aufstellen einer Skulptur. Der Rasen wurde stellenweise neu aufgezogen.

negativ
– aggressiverer Straßenstrich auf der Elbestrasse.
– Taunusanlage und Mainufer (nähe Nizza) teilweise extrem dreckig, da dort Menschen zu „wohnen“ scheinen.
– Unmengen an Glasscherben auf den Strassen.
– jahreszeitbedingt laute Musik durch ständig offene Türen der Gastro-Betriebe in der Taunusstrasse.
– nach wie vor Beschädigungen von Autos (Scheibenwischer, geknickte Aussenspiegel, Kratzer im Lack, Beulen, etc.)

Gefolgt von ein paar Kommentaren von einigen im O-Ton:

Guter Kontakt zu den „Residents“ auf den Strassen:
„Ich habe das Gefühl, die altbekannten Leute wie *Abcde, *Defgh und so haben wieder einen festen Platz an der Taunus./Ecke Elbe. Finde ich eigentlich ganz angenehm, da die nie aggressiv sind. Das beruhigt die Ecke auch immer etwas.“ (*Namen sind geändert)

Die Fegerflotte kommt gut an:
„Ich find´s super, daß die hier durch die Strassen ziehen und dabei helfen, es für uns alle schöner zu machen. Ich kann mir gut vorstellen, daß sie auch einen positiven Einfluß auf das Verhalten der Szene haben – so als Vorbild. Habe sie schon oft gesehen.“

Die Strassenreinigung ist immer wieder Thema:
„Die Menge an zerbrochenen Bierflaschen auf der Strasse ist unfassbar. Glasscherben wohin man schaut. Da stehen die neben dem Mülleimer und werfen die Flasche trotzdem auf die Gasse.“

Soweit unsere Infos.
Wir sehen uns dann heute Abend auf der Bahnhofsviertelnacht.

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